Eine kurze, aber dichte Sitzung: Der Gemeinderat hat den Vertrag mit der AWO zur Obdachlosenhilfe beschlossen und vier Defibrillatoren für Möhrendorf und Kleinseebach auf den Weg gebracht. Dazu neue Zahlen zu Kita und Grundschule, die Jahresrechnung 2025, eine neue Software fürs Bauamt und der Bebauungsplan Sudetenstraße, der jetzt öffentlich ausliegt.
Die Sitzung leitete 2. Bürgermeister Steffen Schmidt, weil Erster Bürgermeister Thomas Fischer entschuldigt war. Alle Beschlüsse fielen einstimmig.
Vertrag über zehn Jahre, 18.375 Euro im Jahr
9 : 0Rathaus, ASV-Gelände und beide Feuerwehrhäuser
10 : 0Weniger Kinder in den Kitas, mehr in der Mittagsbetreuung
InformationBesser als geplant – einiges hat sich verschoben
10 : 0Der Anbau geht in die Ausführungsplanung
9 : 0Digitale Karten und Bauanträge aus einem Guss
10 : 0Liegt bis 13. November öffentlich aus
10 : 0Bauvorlagen, Seniorenbeirat, Anfragen aus dem Gemeinderat
ÜberblickDer Gemeinderat hat entschieden: Die Gemeinde überträgt die Unterbringung und Betreuung obdachloser Menschen per Vertrag an den AWO-Kreisverband Erlangen-Höchstadt.
Obdachlosen Menschen eine Unterkunft zu geben, ist eine Pflichtaufgabe jeder Gemeinde (Art. 57 der Bayerischen Gemeindeordnung). Zuständig ist immer die Gemeinde, in der sich die Person gerade aufhält – die Unterkunft muss aber nicht im eigenen Ort liegen.
Möhrendorf hat dafür derzeit keine eigene Lösung mehr: Der frühere Wohncontainer ist weggefallen, und die Stadt Erlangen schickt Betroffene inzwischen nach Möhrendorf zurück. 2026 musste die Gemeinde bereits zwei Menschen unterbringen – mangels Alternative teuer in der örtlichen Gastronomie und in der Gemeindescheune, die eigentlich verkauft werden soll. Eine Familie mit Kindern, der im Frühjahr ebenfalls die Obdachlosigkeit drohte, fand zum Glück rechtzeitig eine andere Lösung.
Die AWO übernimmt nicht nur die Unterbringung, sondern betreut die Menschen auch fachlich – mit Blick auf die Ursachen, die zur Obdachlosigkeit geführt haben. Die Gemeinde zahlt dafür eine feste Pauschale von 18.375 Euro im Jahr. Ist ein Platz tatsächlich belegt, sinken die Kosten deutlich: Die AWO holt sich als Vermieterin das Wohngeld beim zuständigen Kostenträger (meist dem Jobcenter) zurück und verrechnet es mit der Gemeinde.
Die Verwaltung hält das für die sinnvollste und sehr wahrscheinlich auch wirtschaftlichste Lösung. Niemand kann vorhersagen, wann, wie oft und wie viele Menschen eine Unterkunft brauchen – mal monatelang niemand, dann plötzlich mehrere Personen oder eine ganze Familie. Eigene Wohnungen dafür ständig vorzuhalten, wäre teuer und unflexibel.
Der Gemeinderat stimmte dem Vertrag zu: 9 : 0.
Möhrendorf und Kleinseebach bekommen vier öffentlich zugängliche Defibrillatoren (kurz AED). Vorgeschlagen hatten das die Verwaltung und, mit einem eigenen Antrag, die Fraktion der Grünen; der Gemeinderat hat einstimmig zugestimmt. Die Geräte kommen in beheizte, wetterfeste Wandkästen und sind damit rund um die Uhr erreichbar.
Die genaue Stelle an jedem Standort legt die Verwaltung je nach Gegebenheit und Stromanschluss fest.
Angeschafft werden die Geräte auf Empfehlung der Björn-Steiger-Stiftung über die Stiftung. Bezahlt werden die AEDs an den Feuerwehrhäusern aus den Baubudgets der beiden Häuser (Anbau Möhrendorf, Neubau Kleinseebach), die Geräte am Rathaus und am ASV-Gelände aus der Rücklage.
Bei einem plötzlichen Herzstillstand zählt jede Minute. Ein AED (automatisierter externer Defibrillator) ist für Laien gemacht: Er sagt jeden Schritt per Sprache an, prüft selbst den Herzrhythmus und gibt nur dann einen Stromstoß ab, wenn das nötig ist.
Wichtig: Zuerst den Notruf 112 wählen, dann mit der Herzdruckmassage beginnen und den Defi holen lassen. Falsch ist nur, nichts zu tun.
2. Bürgermeister Steffen Schmidt stellte die aktuellen Zahlen der Verwaltung vor (Stand 21. August 2026). Sie zeigen zwei Entwicklungen, die gleichzeitig laufen: Die Jahrgänge werden deutlich kleiner – die Nachfrage nach Betreuung am Nachmittag bleibt aber hoch.
Seit dem Jahr 2000 lagen die Jahrgänge fast immer zwischen 40 und 70 Kindern. Mit 30 Kindern ist 2025 der kleinste abgeschlossene Jahrgang der ganzen Übersicht, und auch 2026 zeichnet sich ein ähnlich kleiner Jahrgang ab. Durch Zuzüge können die Zahlen der jüngsten Jahrgänge noch steigen – der Trend ist trotzdem deutlich.
Ab September 2026 werden in den vier Möhrendorfer Kitas 224 Kinder betreut, nach 265 im Vorjahr. Im Kindergarten sind es 162 Kinder (Vorjahr: 209), in der Krippe 62 (Vorjahr: 56). In der Krippe erwartet die Verwaltung ab dem Kindergartenjahr 2027/28 einen starken Rückgang, wenn der letzte geburtenstarke Jahrgang 2024 herauswächst; im Kindergarten kommt dieser Rückgang zwei bis drei Jahre später an.
An der Grundschule kommt die Welle erst noch an: Bis zum Schuljahr 2030/31 steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf rund 200, danach sinkt sie deutlich. Nach den aktuellen Zahlen reichen dafür acht Klassenzimmer. Die Prognose ist allerdings unsicher: Kinder, die etwa an die Grundschule Bubenreuth wechseln oder zurückgestellt werden, sind darin nicht berücksichtigt.
Bei der Betreuung am Nachmittag sieht es anders aus. Die Mittagsbetreuung meldet ab Oktober 90 Kinder – die Verwaltung war bisher von 75 Kindern und damit schon von voller Belegung ausgegangen. Im Hort der Parität sind rund 40 der 45 Plätze belegt, der Hort der katholischen Kita ist mit 9 von 9 Plätzen voll.
Die Verwaltung erwartet, dass die Nachfrage vorerst hoch bleibt – auch wegen des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der seit diesem Schuljahr gilt – zunächst für die ersten Klassen, dann Jahr für Jahr für eine weitere Klassenstufe. Erst ab etwa 2032 dürfte sie mit den kleineren Jahrgängen sinken. Wie es um Räume und Personal in Mittagsbetreuung und Hort steht und wie viele Gastschüler betreut werden, will der Erste Bürgermeister dem Gemeinderat noch per E-Mail mitteilen.
Teurer wird es trotz kleinerer Jahrgänge: Der Anteil, den die Gemeinde pro betreutem Kind trägt, überschreitet 2026 voraussichtlich erstmals 4.000 Euro – doppelt so viel wie 2014. Insgesamt zahlt die Gemeinde 2026 nach vorläufigen Zahlen rund 1,04 Millionen Euro für den Betrieb der Kitas; Bund und Land steuern pro Kind weitere 5.324 Euro bei.
Die Jahresrechnung ist die Abrechnung des Haushaltsjahres: Was hat die Gemeinde 2025 tatsächlich eingenommen und ausgegeben – und wie weit lag das vom Plan entfernt? Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die Jahresrechnung zur Kenntnis zu nehmen und zur Prüfung an den Rechnungsprüfungsausschuss weiterzugeben (10 : 0).
Eine bayerische Gemeinde führt ihren Haushalt in zwei Teilen. Der Verwaltungshaushalt ist wie ein Girokonto für den laufenden Betrieb: Personal, Unterhalt, Umlagen, Steuereinnahmen. Der Vermögenshaushalt ist das Baukonto für Investitionen – Gebäude, Fahrzeuge, Kanäle. Was im laufenden Betrieb übrig bleibt, fließt ins Baukonto; was dort übrig bleibt, kommt in die Rücklage, das Sparbuch der Gemeinde.
Vor allem die Steuern brachten mehr als erwartet: Die Gewerbesteuer lag mit 1,19 Millionen Euro um 18,5 Prozent über den geplanten 1,0 Millionen, der Anteil an der Einkommensteuer um 138.000 Euro, die Grundsteuer B um 56.000 Euro. Dazu kamen rund 100.000 Euro mehr Zinseinnahmen. Gleichzeitig gab die Gemeinde im laufenden Betrieb weniger aus: Der Sachaufwand lag mit 3,19 Millionen Euro gut ein Viertel unter dem Ansatz von 4,31 Millionen.
Das Ergebnis: Aus dem laufenden Betrieb blieben 1,86 Millionen Euro für Investitionen übrig – rund 640.000 Euro mehr als geplant. Weniger als geplant kam beim Verkauf von Grundstücken herein: 21.000 statt 500.000 Euro. Die Gemeinde ist seit Januar 2015 schuldenfrei und hat auch 2025 keine Kredite aufgenommen.
| Posten | Plan 2025 | ausgegeben | übertragen |
|---|---|---|---|
| Baukostenbeitrag Stadt Erlangen (Abwasser) | 388.400 € | 49.304 € | 339.000 € |
| Baumaßnahmen Feuerwehrhäuser | 240.000 € | 0 € | 240.000 € |
| Unterhalt Kanalnetz | 296.000 € | 165.279 € | 130.700 € |
| Unterhalt Wasserversorgung | 400.000 € | 240.819 € | 120.000 € |
| Unterhalt Gemeindestraßen | 126.000 € | 8.239 € | 117.700 € |
| Zuschuss Schulverband | 304.205 € | 190.020 € | 114.185 € |
Damit das Geld für begonnene oder beauftragte Vorhaben nicht verfällt, wird es als sogenannter Haushaltsrest ins nächste Jahr übertragen – insgesamt rund 1,69 Millionen Euro. Diese Beträge zählen in der Jahresrechnung bereits als Ausgabe, das Geld ist also für die Vorhaben reserviert. Für 2026 heißt das aber auch: Zu den neu geplanten Vorhaben kommen rund 1,7 Millionen Euro an Aufgaben aus dem Vorjahr hinzu.
Der Rechnungsprüfungsausschuss schaut sich die Rechnung im Detail an – Belege, Abweichungen vom Plan und die übertragenen Haushaltsreste. Erst danach stellt der Gemeinderat die Rechnung förmlich fest. Wir berichten, wenn die Prüfung abgeschlossen ist.
Im Mai hatte der Gemeinderat den Weg für die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses an der Erlanger Straße frei gemacht (zum Mai-Bericht). Am 15. Juli 2026 hat das Landratsamt den Anbau genehmigt. Jetzt hat der Gemeinderat das Ingenieurbüro Reck + Reck aus Möhrendorf mit den weiteren Planungsschritten beauftragt: von der Ausführungsplanung über Ausschreibung und Vergabe bis zur Bauüberwachung (Leistungsphasen 5 bis 9 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure). Das Honorar liegt bei rund 33.000 Euro brutto.
Gemeinderat Jürgen Reck hat wegen persönlicher Beteiligung an Beratung und Abstimmung nicht teilgenommen.
Nach einem Brandeinsatz ist die Schutzkleidung mit Ruß und Schadstoffen belastet. Moderne Feuerwehrhäuser trennen deshalb „schwarz“ (verschmutzte Einsatzkleidung) und „weiß“ (saubere Alltagskleidung) streng voneinander. Die Unterlagen zur Sitzung zeigen Spinde mit zwei getrennten Abteilen: einem offenen für Helm und Schutzausrüstung und einem eigenen, verschließbaren für die private Kleidung. So tragen die Ehrenamtlichen keine Schadstoffe mit nach Hause.
Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat bestätigte die Verwaltung: Beim Neubau in Kleinseebach bleibt es beim bereits beschlossenen höheren Energiestandard (Effizienzgebäude 40). Sollte sich in der weiteren Planung daran etwas ändern, kommt das Thema erneut in den Gemeinderat.
Das Bauamt arbeitet bisher mit zwei getrennten Programmen: einem Kartensystem (GIS) und einer Software für Bauanträge und Grundstücke. Für das Kartensystem gibt es bald nur noch eingeschränkten Support, mit der Bauantragssoftware ist die Verwaltung seit Jahren unzufrieden. Vor allem fehlt eine Verbindung zum digitalen Bauantrag des Landratsamts – alles muss deshalb weiterhin von Hand erfasst werden, obwohl die Daten längst digital vorliegen.
Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, beide Programme zum Jahresende zu kündigen und auf das RIWA GIS-Zentrum umzusteigen, nach Angaben der Verwaltung den Branchenführer in Bayern. Die webbasierte Lösung verbindet Bauantrag, Flurstück und Karte und kann von mehreren Bereichen der Verwaltung genutzt werden – vom Bauamt über Ordnungsamt und Kämmerei bis zum Bauhof.
Für 2026 ist der Umstieg gedeckt – unter anderem mit Mitteln, die für Künstliche Intelligenz (8.000 Euro) und eine Software zur Kita-Anmeldung (rund 5.000 Euro) eingeplant waren und in diesem Jahr nicht mehr gebraucht werden.
Für das Grundstück an der Sudetenstraße (Flurnummer 904, rund 0,4 Hektar am östlichen Ortsrand von Möhrendorf) liegt jetzt der Entwurf des Bebauungsplans vor. Den Anstoß gab ein Bürgerentscheid vom 8. Oktober 2023, der sich für eine Bebauung der Fläche ausgesprochen und die Gemeinde verpflichtet hat, einen Bebauungsplan aufzustellen.
Vergrößern
Erschlossen wird das Gebiet über bestehende Straßen: die Sudetenstraße von Westen und die Waldstraße von Norden. Der Plan sieht vier Baufelder vor; als Dachformen sind Sattel-, Walm- und Krüppelwalmdach erlaubt.
Die Fläche war ursprünglich bewaldet. Sie wurde bereits im Februar 2023 mit Genehmigung gerodet, der Wald an anderer Stelle vollständig neu aufgeforstet. Weil die Fläche seitdem brachlag, hat sich auf dem sandigen Boden ein Sandmagerrasen entwickelt – ein gesetzlich geschützter Lebensraum. Für die knapp 2.000 Quadratmeter wird an anderer Stelle in Möhrendorf eine gleich große Fläche zu Sandmagerrasen entwickelt; die Gemeinde beantragt dafür eine Ausnahme beim Naturschutz.
Bei der ersten Information der Öffentlichkeit im Sommer (29. Juni bis 13. Juli 2026) gingen keine Stellungnahmen ein. Der Gemeinderat hat den Entwurf jetzt gebilligt und die öffentliche Auslegung beschlossen (10 : 0).
Den Planentwurf mit Begründung kann jede und jeder einsehen und dazu Stellung nehmen – online, per E-Mail oder schriftlich. Die Frist läuft seit 6. Oktober und wurde verlängert, weil sie großteils in die Herbstferien fällt.
Zu Beginn der Sitzung berichtete die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Kathi Schindler, über die Arbeit des Beirats. Die Vorträge – etwa zum Pflegestützpunkt, zur Ernährung im Alter, zum elektronischen Nahverkehrstarif EGON und zu Künstlicher Intelligenz – waren sehr gut besucht. Geplant sind Vorträge zu Cyberkriminalität, Demenz, Betreuungsrecht und Cholesterin sowie ein E-Bike-Kurs. Dazu kommen feste Angebote wie Digifit, Denk- und Konzentrationstraining, Fahrdienst, Lesepaten, der Bücherzellen-Dienst und Besuche in der Adventszeit.
Ein Wermutstropfen: Die Computerkurse mussten 2025 ausfallen, weil keine passenden Räume mehr zur Verfügung standen – obwohl das Interesse weiter groß ist. Der Vorsitzende und der Gemeinderat dankten für das Engagement und boten Gespräche und Unterstützung an.
Der Bürgermeister lud zur Teilnahme am Fahrradklima-Test ein: Bis zum 30. November kann jede und jeder bewerten, wie fahrradfreundlich Möhrendorf ist (zum Fahrradklima-Test).
Die nächste Sitzung des Gemeinderats ist am Dienstag, 27. Oktober 2026, um 19:00 Uhr im Rathaus.
Wir werden euch auch weiterhin regelmäßig über die Arbeit im Gemeinderat informieren – verständlich und ohne Amtsdeutsch.